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3R in der präklinischen Forschung

5. Das sagen die Expertinnen und Experten

Interpharma will den Dialog zur Datenvernetzung im präklinischen Bereich fördern und einen Beitrag leisten, um dieses wichtige Thema in der Schweiz und im internationalen Kontext voranzubringen.

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Prof. Dr. Dr. Michael O. Hottiger

Professor für Molekularbiologie und Biochemie der VSF/MNF der Universität Zürich, Präsident des Vereins «Forschung für Leben»

Wie notwendig ist es, Plattformen und Kooperationen zu schaffen, um die Daten aus der präklinischen Forschung u.a. mit Tieren für Forschende zugänglich und nutzbar zu machen mit dem Ziel, die 3R weiter voranzutreiben?

Das Wissen im Bereich der 3R beruht grösstenteils auf Ergebnissen aus der Grundlagenforschung, die v.a. für die Bereiche Reduktion und Optimierung oft nicht zugänglich sind oder nicht publiziert werden (für Ersatzmethoden sieht es bedeutend besser aus). Um die Umsetzung von 3R-Prinzipien voranzutreiben, ist die Erhebung von Daten in allen 3R-Bereichen deshalb dringend nötig. Dadurch könnten wir unser Wissen bündeln, den Tierschutz verbessern und gleichzeitig wissenschaftliche Fortschritte fördern.

Wie stehen die Chancen, dass in der Schweiz in diesem Thema etwas geht?

Ich denke, die Aussichten sind sehr vielversprechend. Zum Beispiel wird derzeit an der Universität Zürich ein Projekt vorangetrieben, um Daten in einer strukturierten Form zu sammeln und zu nutzen. Gut strukturierte Daten sind entscheidend, um bedeutungsvolle Künstliche-Intelligenz-(KI-)Algorithmen zu entwickeln. KI-Algorithmen werden bereits heute in Bereichen wie der Toxikologie eingesetzt. Zukünftig könnten neue Algorithmen auch Tierbesitzern und Forschern ermöglichen, das Wohlbefinden einzelner Tiere auf nicht invasive Weise zu überwachen.

Wen sehen Sie in der Rolle des Trägers/Initiators einer solchen Plattform?

Es wäre sinnvoll, wenn eine nationale Organisation die Sammlung, Speicherung und Verfügbarkeit von Daten in der Schweiz koordiniert. Das nationale 3R-Kompetenzzentrum sollte vorzugsweise eine Schlüsselrolle bei der Dateninfrastrukturgestaltung übernehmen. Wissenschaftler, Pharmafirmen, Forschungseinrichtungen, Regierungsorganisationen, Aufsichtsbehörden und gemeinnützige Organisationen müssten zusammenarbeiten, um dies zu erreichen. Diese Kooperation wäre entscheidend für den Erfolg dieses Vorhabens.

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Dr. med. vet. MLaw Julika Fitzi-Rathgen

Fachstelle Tierversuche und Tierärztliche Beratungsstelle, Schweizer Tierschutz STS

Wie notwendig ist es, Plattformen und Kooperationen zu schaffen, um die Daten aus der präklinischen Forschung u.a. mit Tieren für Forschende zugänglich und nutzbar zu machen mit dem Ziel, die 3R weiter voranzutreiben?

Seit Jahren gehen Bestrebungen des Tierschutzes in Richtung einer Präregistrierung für wissenschaftliche Arbeiten, die mit Tierversuchen durchgeführt werden. Ein grosser Nutzen wäre, dass Tierversuche nicht wiederholt werden müssen bzw. dürften, wenn sie nicht erfolgreich den gewünschten Erkenntnisgewinn gebracht haben. Doppel- und Mehrfachtierversuche für gleiche Fragestellungen könnten verhindert und viel Tierleid eingespart werden.

Wie stehen die Chancen, dass in der Schweiz in diesem Thema etwas geht?

Grundsätzlich besteht bei allen involvierten Institutionen Konsens darüber, dass der Bedarf solcher Plattformen besteht und diese in Bezug auf die 3R sinnvoller- und notwendigerweise baldmöglichst umgesetzt werden sollten. Warum das so schleppend vorwärtsgeht, kann ich nicht sagen, aber Ideen und Vorstösse in diese Richtung gibt es bereits seit Längerem.

Wen sehen Sie in der Rolle des Trägers/Initiators einer solchen Plattform?

Grundsätzlich muss es primär im Interesse der Forschenden liegen, die 3R so gut und schnell wie möglich umzusetzen – dazu gehört auch die Reduktion von Tierversuchen, die mit solchen Plattformen sicher vorankäme. Ich sehe hierfür auch mit dem 3R-Kompetenzzentrum Kooperationsmöglichkeiten, und natürlich wird auch der Schweizer Tierschutz STS eine solche Initiative mit seinen Mitteln bestmöglich unterstützen.

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Nathalie Stieger

F. Hoffmann-La Roche Ltd Head of Government Affairs

Wie notwendig ist es, Plattformen und Kooperationen zu schaffen, um die Daten aus der präklinischen Forschung u.a. mit Tieren für Forschende zugänglich und nutzbar zu machen mit dem Ziel, die 3R weiter voranzutreiben?

Solche Kooperationen haben das Potenzial, die 3R-Prinzipien wesentlich zu fördern. Die dadurch zugänglichen Daten können bei der Entwicklung von prädiktiven computergestützten Testmodellen und anderen, alternativen Testmethoden helfen, mit dem Ziel, die Abhängigkeit von Tierversuchen zu verringern oder Tierversuche zu vermeiden.

Wie stehen die Chancen, dass in der Schweiz in diesem Thema etwas geht?

Auf EU-Ebene gibt es schon derartige Initiativen. Letztes Jahr haben Firmen, u.a. Roche, mit der Unterstützung der EFPIA und der European Chemicals Agency eine Zusammenarbeit zur Veröffentlichung von Daten initiiert. Die Datenbank enthält nun Informationen zu 94 Substanzen. Ähnliche Initiativen könnten auch in der Schweiz unterstützt und durchgeführt werden.

Wen sehen Sie in der Rolle des Trägers/Initiators einer solchen Plattform?

Die Pharmaindustrie übernahm in diesem Projekt eine führende Rolle, da sie im Besitz von physikalisch-chemischen und toxikologischen Daten von chemischen Stoffen ist, die für sie keinen wirtschaftlichen Wert mehr haben. Dennoch bedarf es des Einbezugs von allen relevanten Akteuren wie Behörden und Forschung, um das Potenzial solcher Plattformen völlig auszuschöpfen.

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Dr. Joachim Coenen

DVM, DABT Senior Expert Animal Science and Welfare SQ-Corporate Animal Affairs Merck-Gruppe

Wie notwendig ist es, Plattformen und Kooperationen zu schaffen, um die Daten aus der präklinischen Forschung u.a. mit Tieren für Forschende zugänglich und nutzbar zu machen mit dem Ziel, die 3R weiter voranzutreiben?

Absolut notwendig. Es ermöglicht Wiederverwendung und Weiterentwicklung von bestehenden Daten und Modellen, erleichtert den Austausch von Methoden zur Verbesserung des Tierwohls und fördert die Entwicklung von Alternativmethoden zum Ersatz von Tierversuchen. Allerdings sind Voraussetzungen essenziell, z.B. Standards, Datenschutz, Datenaustausch und Verfügbarkeit von Ressourcen.

Wie stehen die Chancen, dass in der Schweiz in diesem Thema etwas geht?

Das «Handelsblatt» schrieb Ende August: «Novartis führt bei KI-Einsatz in Pharmaforschung», auch Roche setzt intensiv auf KI.
Forschungsintensität, Engagement im Tierschutz und Akzeptanz von Tierversuchen prädestinieren Schweizer Firmen zur KI-Entwicklung.

Wen sehen Sie in der Rolle des Trägers/Initiators einer solchen Plattform?

Ich sehe die Schweizer Pharmafirmen im Lead. Allerdings müssen die Zulassungsbehörden involviert sein. Für die Rolle des Koordinators würde sich das 3RCC anbieten. Natürlich kann ein solches Projekt nur erfolgreich sein, wenn Wissenschaftler der verschiedenen Fachbereiche aus Industrie, Akademie oder Start-ups (z.B. Exscientia) unterstützen.

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Hans Wyss

Direktor Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen

Wie notwendig ist es, Plattformen und Kooperationen zu schaffen, um die Daten aus der präklinischen Forschung u.a. mit Tieren für Forschende zugänglich und nutzbar zu machen mit dem Ziel, die 3R weiter voranzutreiben?

Die Analyse von Daten, die über eine Forschungsgruppe hinaus genutzt werden, kann wissenschaftliche Fortschritte auslösen und dadurch die 3R vorantreiben. Dies bezieht sich explizit auch auf das Veröffentlichen von Ergebnissen aus erfolglosen Studien. Hierfür ist das Teilen von Daten über Plattformen und in Kooperationen anzustreben, um aus allen Tierversuchen den maximalen Erkenntnisgewinn sicherzustellen.

Wie stehen die Chancen, dass in der Schweiz in diesem Thema etwas geht?

Sowohl Forschende wie die Öffentlichkeit haben berechtigterweise ein grosses Interesse an Transparenz bei Tierversuchen. Deshalb prüft das BLV, wie die Publikationspflichten, wie zum Beispiel der Zweck, die Protokolle und die Ergebnisse aus Tierversuchen, sinnvoll erweitert werden können.

Wen sehen Sie in der Rolle des Trägers/Initiators einer solchen Plattform?

Dies hängt sicherlich von den Anforderungen an die Plattform ab. Sofern es sich um Daten aus der Industrie handelt, ist diese mit den Daten vertraut und rechtlich deren Eigner. In diesem Fall sollten Industriekonsortien diese Plattform unter Beteiligung der Behörden entwickeln und betreiben.