Zehn Jahre Animal Welfare Charta
6. Vielversprechende Alternativen
Was versprechen die nächsten zehn Jahre Animal Welfare Charta? Neue digitale Technologien bergen ein enormes Potenzial für die weitere Reduktion, Verfeinerung und den Ersatz von Tierversuchen. Bereits heute lassen sich mithilfe von computerbasierten Simulationsmodellen viele Fragen zu neuen Wirkstoffen untersuchen. Vielversprechend sind auch In-vitro-Methoden wie die Organs-on-a-Chip-Technologie: Aus Stammzellen werden Miniaturorgane künstlich nachgebildet und auf kleinen Plättchen platziert, um das Innere des menschlichen Körpers zu modellieren. Mit diesen Chips können Wirkstoffkandidaten in einem frühen Stadium auf Wirksamkeit und Toxizität geprüft werden. Noch steckt die Technologie in den Kinderschuhen. So können heute erst vier bis fünf Organe auf einem Chip verbunden werden – ein Bruchteil des menschlichen Organismus. Um künftig als Alternativen in der Medikamentenentwicklung eingesetzt zu werden, müssen digitale Technologien also noch weiter fortschreiten. Doch das Forschungsinteresse ist gross. Die Suche nach Alternativmethoden lohnt sich nicht nur für das Wohl der Labortiere, sondern auch für die Unternehmen, da sie meistens weniger kostenintensiv und einfacher standardisierbar sind als Tiermodelle. Auch in der Haltung der Labortiere werden immer innovativere digitale Systeme angewendet, die das Wohlergehen der Tiere verbessern und gleichzeitig umfassendere, aussagekräftigere Daten für die Forschenden liefern. Auch wenn sie Tierversuche in absehbarer Zeit nicht ersetzen werden, sind das gute Aussichten für das Tierwohl und den wissenschaftlichen Fortschritt.