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Zehn Jahre Animal Welfare Charta

7. Exkurs: Interview mit Dr. Birgit Ledermann

«Wir müssen unseren Dialog mit der Öffentlichkeit verstärken.»

Warum haben sich die forschenden Pharmafirmen in der Schweiz vor zehn Jahren entschlossen, die Animal Welfare Charta von Interpharma zu unterzeichnen?

Die Forschung mit Tieren ist ein sehr emotionales Thema. Viele Menschen kritisieren die Forschung mit Tieren, wollen aber gleichzeitig Gewissheit, dass neue Medikamente die höchsten Qualitäts-, Wirksamkeits- und Sicherheitsstandards erfüllen. Während es für Pharmaunternehmen üblich ist, interne Standards für die Tierforschung nach den jeweiligen staatlichen Standards und weiteren Standards einzubeziehen, ist das Einzigartige an Interpharma, dass diese Standards in der ge- samten Branche in der ganzen Schweiz aufeinander abgestimmt wurden. Nach der Erhebung von vier Schlüsselelementen, a) einem offenen und konstruktiven Dialog zwischen den Interessenträgern, b) der Förderung der allgemeinen und beruflichen Bildung, c) der Förderung aller Aspekte der 3R und d) der Prüfung und Zertifizierung, wurden die zehn Artikel der Tierschutzcharta entwickelt. Die Verpflichtungen der Charta gelten für Interpharma-Mitgliedsunternehmen sowie für alle externen Forschungs- und Entwicklungspartner. Dies ist besonders wichtig, da die Tierschutzstandards von Land zu Land unterschiedlich sind und die Charta gleichbleibend hohe Standards gewährleistet, unabhängig davon, wo die Forschung mit Tieren stattfindet.

Was war für Sie persönlich in den letzten zehn Jahren in Bezug auf die Charta das grösste Highlight bzw. die positivste Entwicklung?

Eines der wichtigsten Highlights ist für mich der offene und konstruktive Dialog der Interessensvertreter. Interpharma pflegt seit vielen Jahren einen regelmässigen, konstruktiven Dialog mit der Schweizer Tierschutzorganisation STS und der Universität Zürich. Dieser Dialog hat zu einem gegenseitigen Verständnis der beteiligten Organisationen geführt. Ein weiteres Highlight von Interpharma sind die gemeinsamen Audits unserer externen Partner. Diese gemeinsamen Anstrengungen helfen uns, den Tierschutz und die Umsetzung der 3R (Verringerung der Tierzahlen, Verbesserung der Tierversuche und Ersatz von Tierversuchen durch alternative Methoden) bei unseren Partnern zu verbessern. Die Audits reduzieren die Arbeitsbelastung und den Zeitaufwand für die Mitgliedsunternehmen und die externen Partner und werden daher sehr geschätzt.

Welche Bedeutung hat die Charta international?

Die Charta hat internationale Aufmerksamkeit erlangt, weil die Pharmaindustrie in der Schweiz zum ersten Mal ihre Tierschutzstandards angeglichen und gemeinsame Audits durchgeführt hat. Die Charta und das Konzept für die ge-meinsamen Audits dienen als Vorbild, und beide wurden in den letzten Jahren auf verschiedenen Konferenzen und Tagungen in verschiedenen Ländern vorgestellt.

Welche Herausforderungen sehen Sie für die nächsten zehn Jahre Charta?

Die biomedizinische Forschung, einschliesslich der pharmazeutischen Industrie, stösst immer mehr auf Widerstand gegen die Forschung mit Tieren. Während wir unseren internen Dialog über die Notwendigkeit des Einsatzes von Tieren für die Entdeckung und Validierung neuer Arzneimittel ausgeweitet haben, müssen wir unseren Dialog mit externen Interessensvertretern, insbesondere mit der Öffentlichkeit, verstärken. Wir müssen häufiger und offener über die Bedeutung dieser For- schung sprechen, dass Tiere nur dann in der Forschung eingesetzt werden dürfen, wenn es keine anerkannten Alter- nativen gibt, und über die hohen gesetzlichen Standards und das Engagement der Menschen, welche mit den Tieren arbeiten. Darüber hinaus müssen wir die Umsetzung der 3R – Reduktion, Verfeinerung und Ersatz von Tierforschung – weiter fördern. Die Anwendung der 3R-Prinzipien reduziert nicht nur die Anzahl der für die Forschung eingesetzten Tiere, sondern auch die Variabilität der Daten und verbessert so die Qualität der Forschung mit Tieren. Interpharma unterstützt das Schweizer 3R Competence Center finanziell und ist in seinen Leitungsgremien vertreten. Ein weiteres Ziel ist die Fort- setzung unserer gemeinsamen Audits zur Bewertung unserer externen Partner.

Ist es realistisch oder vorstellbar, dass die Arzneimittelentwicklung eines Tages ganz auf Tierversuche verzichten kann?

Obwohl die pharmazeutische Industrie grosse Anstrengungen unternimmt, um die Forschung mit Tieren nach Möglichkeit durch alternative Methoden zu ersetzen, wird die Entwicklung neuer, sicherer Arzneimittel in absehbarer Zeit ohne den Ein- satz von Tieren nicht möglich sein.